2010 Nepal – Nangpa La (Story)

November 2010: Die Entscheidung fällt in Nepal eine Trekkingtour zu unternehmen. Es soll zu dem in 2006 in  Schlagzeilen gekommene Nangpa La Pass (5.716 m) an der Grenze zu Tibet gehen. Diese Tour führt in eine der abgelegensten Ecken des Himalaya und erschien uns deshalb reizvoller zu sein als die klassischen Touren im Everest Gebiet. Auf Grund der Abgeschiedenheit und der damit verbundenen Logistik unternahmen wir diese Reise mit einem erfahrenen Veranstalter. 

Der Nangpa La Pass liegt am Fuße des Cho Yu (8.153 m) und ist eine alte Handelsroute die zwischen dem tibetischen Plateau und der Region Khumbu liegt. Der Pass ist für Trecker nur von Süden her erreichbar. Eine Überschreitung nach Tibet ist nicht erlaubt. Für lokale Personen auf beiden Seiten ist die Grenze nur mit einer speziellen Erlaubnis passierbar.

Der Pass erreichte 2006 leider eine unrühmliche Aufmerksamkeit als chinesische Grenzwachen das Feuer auf tibetische Flüchtlinge eröffneten und dabei tibetische Nonnen ums Leben kamen. Auch auf unserer Tour sahen wir Nonnen und Mönche die, nur mit dem allernotwendigsten ausgerüstet, sich auf dem Weg zum Pass auf machten.

Wir flogen von Katmandu nach Lukla, dessen Flughafen aufgrund seiner Lage zu einer der gefährlichsten Flughäfen der Welt gehört. Lukla ist jedoch nur per Flugzeug oder alternativ mit einem einwöchigen Fussmarsch von Kathmandu aus zu erreichen. In Lukla trafen wir dann auf unser Begleitteam, Träger, Koch und ein erfahrener Climbingguide.

Das Ziel unserer ersten Etappe ist Namche Bazar der Hauptstadt von Khumbu. Weiter geht es dann über Sherapadörfer wie Phortse, Taboche, Pheriche über den Cho La Pass auf 5.345 m zu den Seen von Gokyo. Diese wunderschönen türkisblauen Seen liegen auf ca. 5.000 m und sind die höchsten der Welt. Auf dem Weg begleiten uns die beindruckenden Gipfel des Everest, Lhotse und des Ama Dablam. Bei Gokyo übernachten wir zum ersten Mal deutlich über 4.000 Meter (4.700m). Ab dieser Höhenlage begegnen wir vielen Yaks. Diese mächtigen und beinduckenden Lastentiere fühlen sich erst in grösseren Höhen so richtig wohl, können grosse Lasten tragen und bewegen sich geschickt in schwierigem Gelände. Yaks können auf Grund ihrer körperlichen Beschaffenheit unterhalb von 3.000m nicht längere Zeit überleben.

 

 

 

 

Es geht weiter auf den 5.420 Meter hohen Cho La Pass. Die Aussicht ist dort phänomenal! Wir genießen das Panorama der Khumbu-Gipfel mit Cho Oyu, Everest, Lhotse und Malaku als Kulisse. Nach dem Summa La geht es dann als „Einbahnstrasse“ in Richtung Lunag weiter in Richtung Nangpa La Basis Lager, eine sehr abgelegene Route. Wir stossen hier nur auf wenige tibetische Nomaden und Hirten. Wann immer man Menschen in den dünnbesiegelten Gebirgsregionen begegnen erfährt man Gastfreundschaft, hat immer Zeit für ein paar freundliche Worte, legt eine kurze Rast ein, lacht miteinander oder tauscht die eine oder andere Ware aus. 

Yak-Karawanentreiber aus Tibet kommend erkennt man meist an ihrem traditionellen Haarschmuck. Beliebte Farbtupfer sind eingeflochtene Haarbänder bei Mann und Frau sowie Schmuck der meist aus polierten Knochen oder sehr beliebt aus Türkisen oder Korallen besteht. 

 

 

Auch Yaks werden zur besserer Kennzeichnung meist mit eingeflochtenen bunten Bändern am Schädel versehen. Die Farben Blau/Rot/Grün/Gelb/Weiss sollen dabei vor Absturz, Krankheit und weiterem Unheil schützen.
Auf unserem weiteren Weg zum Basis Camp laufen wir zunächst an einer Randmoräne entlang, dann auf der Moräne und schließlich direkt auf dem Gletscher selbst. Das Umgehen der Gletscherspalten, der Fels- und Eisbrocken ist beschwerlich und die vor uns liegenden Strecken endlos lang; jedoch geniessen wir die unberührte und gewaltige Natur mit den herrlichen Bergriesen entlang des Gletschers. Am Basislager angekommen treffen wir auf eine Yak-Karawane, die gerade dabei ist ihr Lager des vorherigen Tages auszulösen. Weitere Karawanen bewegen sich wie „Perlschnüre“ entlang der noch vor uns liegenden Route. Bei ihren Reisen zwischen Nepal und Tibet führen die Karawanen allerlei Waren mit: Salz, Wolle, Fett und Produkte „Made in China“ aus dem Norden kommend, Reis, Mais, Hirse und Weizen aus dem Tiefland bei der Rückreise.

Die Aussicht auf die umliegenden Bergriesen und den vor uns liegenden Pass ist phantastisch. Noch in der Nacht beginnt der Aufbruch zum 5.716m hohen Pass. Eine sehr lange und beschwerliche Strecke die im Zickzack über den Gletscher verläuft. Auf dem Pass steigen Heidi vor Glück, über der erbrachten Leistung und der grandiose Aussicht, die Tränen in die Augen. Vor uns liegt Tibet! Der Rückweg erscheint uns bei weitem länger als der Aufstieg und wir erreichen erst nach Einbruch der Dunkelheit das Basiscamp. Freundlicherweise hat unser Koch auf halben Weg noch eine „Teestation“ in einer windgeschützten Felsnische eingerichtet. Trotzdem sind wir völlig erschöpft als wir im Camp ankommen.

Zurück nach Lukla nehmen wir die Route über Marulung und Thame. Zum Abschluss der Tour übernachten wir in der Yeti Mountain Home Lodge, einer Komfortlodge auf 4.700 m Höhe und spektakulären Blick auf die Everest Region. Die erste heisse Dusche und ein weiches Bett nach 20 Tagen Zelt-Trekking :).

 

 

 

 

siehe auch Video NangPa La

© Copyright für alle Aufnahmen: Heidi Ettischer und Peter Völkl

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